Fast reif für den Brodway und voller Tiefgang

Premiere des Musicals „Die Baronin“ in Eichstätt

Als das Licht in der Aula der Universität Eichstätt aus und das Spotlight an ging, da hatte man das Gefühl, man war in einem der legendären Theater auf dem New Yorker Broadway. Ausgezeichnete Musik, eine hervorragende Choreographie und grandiose Schauspieler machten das Musical „Die Baronin“ zu einem Hochgenuss, der es mit großem Musiktheater unzweifelhaft aufnehmen konnte.
Und dazu kam die Geschichte einer großartigen Frau: Johanna Franziska von Chantal, Ehefrau, Mutter, Witwe, Weggefährtin des heiligen Franz von Sales und Mitgründerin sowie erste Oberin des Ordens der Heimsuchung Mariä – ihr Leben nicht aufbereitet als Biographie, sondern ganz salesianisch als ein Leben in der Gegenwart Gottes. So wurde Johanna Franziska auf ihrem Lebensweg immer von ihrem Schutzengel begleitet – grandios dargestellt von Florian Lange –, der mal als Ministrant auftauchte, dann in Jägerkluft auf die Bühne trat oder den Bischofstab des heiligen Franz von Sales trug. Manchmal spendete er Trost, ein anderes Mal freute er sich mit den Schwestern am Klosterleben. Schlimmes wie den tragischen Tod des Barons Chantal konnte er nicht verhindern, aber er trug doch all das Leidvolle mit und zeigte, dass der Mensch auf seinem Lebensweg nicht allein ist, sondern auf die Anteilnahme Gottes zählen kann.
Vom Anfang bis fast zum Ende war der weißgekleidete Engel dabei – nur als Johanna Franziska ihren letzten irdischen Weg in die himmlische Vollendung antrat, da verschwand er und Franz von Sales wurde zum Wegbegleiter.

Tatkräftige Managerin und liebevolle Mutter

Aber der Reihe nach: Das Musical begann mit einem Prolog in der Szene des Sterbezimmers, ein Motiv, das kurz vor Schluss wieder aufgenommen wird. Mutter Chantal liegt auf dem Sterbebett, und unter dem Gesang des Magnificat kommen die Mitschwestern mit Kerzenlicht auf die Bühne. Das Magnificat – Marias Lobgesang über die Größe Gottes – im Angesicht des Todes. Aber das ist salesianische Lebensweisheit: „Die Zeit, Gott zu suchen ist das Leben – die Zeit ihn zu finden der Tod – die Zeit, ihn zu besitzen die Ewigkeit.“ Warum IHN dann nicht loben, wenn der Weg in die Ewigkeit kurz bevor steht?
Gemeinsam mit dem Schutzengel blickt Johanna Franziska nun zurück auf ihr Leben: Sie heiratet den Baron von Chantal. Gleich nach der Hochzeit macht sich die Baronin daran, die heruntergewirtschafteten Güter ihres Mannes wieder auf Hochglanz zu bringen. In einem, großem Tanztheater in nichts nachstehenden Ballett tanzen und singen die Bediensteten gemeinsam mit ihrer tatkräftigen Chefin die Nummer „Sie hat Talent“ – eine choreographische Meisterleistung.
Einfühlsam wird nach der perfekten Managerin nun die andere Seite der Baronin Chantal gezeigt – die fürsorgliche Mutter, die ihre Kinder liebevoll zu Bett bringt.
Doch dann schlägt das Schicksal zu. Baron Chantal wird bei der Jagd tödlich verletzt. Johannas Idylle findet ein jähes Ende. Verzweiflung allenthalben.
Aber Rettung bahnt sich an. Bischof Franz von Sales tritt auf. Der Schauspieler Dominic Possoch trägt ein originales Bischofgewand mit eindeutig salesianischem Bezug. Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, Oblate des heiligen Franz von Sales, hat seines zur Verfügung gestellt.
In der Sainte Chapelle in Dijon kommt es zu der ersten Begegnung. Franz von Sales predigt, und Johanna Franziska hört zu, sitzend neben ihrem fürsorglichen Vater – meisterhaft gespielt von P. Sebastian Leitner OSFS.
Die Predigt ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen der Gräfin und dem Bischof. Diese Freundschaft führt aber nicht zur Abkehr des Bischofs von Bischofsamt und zölibatärem Leben – einen ersten züchtigen Kuss verhindert Johannas Engel mit Bravour – sondern zur Erfüllung eines Traumes der beiden: die Gründung des Ordens der Heimsuchung. Und so tritt denn Franz von Sales mit Johanna Franziska und drei anderen Frauen, Marie-Jacqueline Favre, Jeanne-Charlotte Bréchard und Anne-Jacqueline Coste, auf die Bühne, um ihnen das Ordensversprechen abzunehmen.
Zuvor jedoch wird Johanna Franziska schwer auf die Probe gestellt. Sie muss sich von ihren Kindern ins Kloster verabschieden, und die wollen sie nicht gehen lassen. Die Inszenierung dieses dramatischen Geschehens war eine Meisterleistung der Schauspieler und der Regie. Hervorragend zeigten die Darsteller, was es heißen kann, die Familie um Christi willen zu verlassen, wenn Gott ruft. Gerade in dieser Szene kommt besonders stark die Persönlichkeit der echten Johanna Franziska von Chantal zum Ausdruck. Einfach hat sie es sich wahrhaftig nicht gemacht, aber dennoch spürte sie diesen Ruf Gottes ins Kloster, dem sie am Ende folgte.
Übrigens wissen wir von der historischen Johanna Franziska, dass sie auch vom Kloster aus wie eine Mutter für ihre Kinder Sorge trug, gerade für Celsus Benignus, der aufgrund seines heißblütigen Charakters immer wieder in Schwierigkeiten geriet.

Leben im Kloster

Der schmerzvolle Abschied von den Kindern war die eine Seite – die Freude am Klosterleben die andere. Nach dem feierlichen Gründungsakt, als Bischof Franz von Sales in würdiger Pose die Schwestern verlassen hat – da wird gefeiert. Klosterleben – bei der zweiten hervorragenden Balletteinlage des Musicals sind die Schwestern samt Johannas Schutzengel in Aktion und zeigen, dass Ordensleben und peppige Musik sich nicht ausschließen. Und man darf wohl annehmen, dass auch Franz von Sales daran seine Freude gehabt hätte. Schließlich war für ihn ein Heiliger, der immer nur traurig ist, ein wirklich trauriger Heiliger. Und zur Heiligkeit sind natürlich auch die Schwestern der Heimsuchung seit jeher gerufen.
Doch der Freude am Klosterleben folgte im Musical wieder die Trauer. Im Jahr 1622 stirbt Franz von Sales – Johanna ist verzweifelt.  Erst im Tod wird sie ihren Weggefährten wiedersehen. Franz von Sales holt sie – wie eingangs bereits erwähnt – vom Sterbebett aus ab und führt sie hinein in die Ewige Seligkeit. Eindeutig lehnt sich diese Szene an eine Vision des heiligen Vinzenz von Paul an, der lange Jahre mit Johanna Franziska und Franz von Sales freundschaftlich verbunden war. Als Johanna von Chantal starb, sah er eine leuchtende Kugel, die sich zum Himmel hin bewegte und dort mit einer zweiten Leuchtkugel – Franz von Sales – zusammenkam. Beide Kugeln schließlich wurden in eine noch größere – Gott  – aufgenommen.
In dieser endgültigen Wirklichkeit trifft Johanna Franziska im Musical nicht nur auf Franz von Sales, sie begegnet auch ihrem so plötzlich umgekommenen Mann und ihren früh verstorbenen Kindern wieder. Und der Chor im Himmel und auf Erden stimmt in das große Finale ein – die Lobeshymne auf die nun selige Gräfin, die alles aussagt:
„Johanna Franziska, du Frau großer Kraft,
du gingst Gottes Wege mit viel Leidenschaft,
Ob Mutter, ob Witwe, als Nonne im Schmerz,
du wolltest Gott lieben und schenktest dein Herz.“

Von Herzen

Zum Schluss gab es Standing Ovations, und die waren mehr als verdient. Gerade Martha Kindermann, die Johanna Franziska spielte, war es hervorragend gelungen, die doch sehr komplexe Persönlichkeit der Baronin und Ordensfrau ausdrucksreich darzustellen. Aber auch die anderen Darsteller boten Meisterleistungen, genauso wie die Choreographin Julia Christeiner. Gelungen waren auch die eindrucksvollen Bühnenbilder von Regina Kehr. Und wesentlich dazu beigetragen, dass dieses Werk ein Meisterwerk wurde, haben natürlich auch die Textdichter P. Herbert Winklehner OSFS und Nicola Bamberger sowie der Komponist Francis Care mit seinen Musikern.
Ganz zum Schluss bat P. Herbert Winklehner dann auch die Besucherinnen des Musicals auf die Bühne, die heute in besonderer Weise das Erbe der Mutter Chantal leben: Heimsuchungsschwestern, die sich sichtlich freuten, dass ihrer Gründerin durch dieses Bühnenwerk eine so große Ehre zuteil wurde.

Übrigens haben die Heimsuchungsschwestern ihre originalen Ordensgewänder für das Musical zur Verfügung gestellt und gehören so auch in den Kreis der Helfer, die zum Gelingen dieses Meisterwerkes beigetragen haben.
Da der Reinerlös den Missionsprojekten  der Sales-Oblaten zugute kam, haben alle – verantwortliches Team, Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker, Helferinnen und Helfer, ihre Arbeit aus Freude an der Sache gemacht, ohne dabei auch nur einen Cent zu verdienen. Gerade das ist wohl der Grund dafür, dass diese Arbeit an diesem Musical wirklich von Herzen kam. Dass die Aufführung zu Herzen ging, zeigte der nicht enden wollende Applaus des Publikums.

Raymund Fobes

 

 



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